Der neue Geschichtshappen
͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏
Hallo {{ firstname }}
Du liest den Geschichtshappen: Wöchentlich ein neuer Blickwinkel. Zum Nachdenken. Zum Mitreden.
Und heute erwartet dich: |
| | | - Die überraschende Verbindung zwischen einem Bahnhof in Bulgarien und einer Bastelgruppe in der DDR 😄
- Ein Gruß aus einem Ort, in dem gerade serbische Geschichte geschrieben wurde 🇷🇸
|
| | | |
|
|
Im letzten Geschichtshappen habe ich mich aus der bulgarischen Donaustadt Ruse bei dir gemeldet und unter anderem ein Foto vom dortigen Bahnhof geteilt.
Darauf zu sehen war eine Tür mit der Auffschrift "началник / Vorsteher".
Ich habe im Newsletter ein wenig darüber spekuliert, warum das neben dem Bulgarischen ausgerechnet auf Deutsch angeschrieben war.
Dann hat mich aber Antje in einer Mail auf eine noch viel spannendere Sache hingewiesen: |
| | | Das wort Natschalnik, was auf dem Foto mit „Vorsteher“ übersetzt ist, kenn ich aus der DDR. Das ist ein Mensch, der ein bisschen mehr Macht hat als man selbst, ein Chef oder ein Funktionär. |
| | | Das hat mich dann doch aus den Socken gehauen und ich musste gleich nachgoogeln.
Und siehe da: Wiktionary beschreibt Natschalnik als: |
| | | Aus dem Russischen übernommen. Besonders in der DDR, veraltend abwertend oder scherzhaft: Chef, Leiter, Vorgesetzter. |
| | | Das Textbeispiel dazu finde ich dann aber ganz besonders schön: |
| | | Er bekam die Erlaubnis, eine Bastelgruppe für Weihnachtsschmuck der Offiziersunterkünfte aufzustellen. Diese Bastelgruppe bestand zufälligerweise aus den Frauen der Putzkolonne. Und ich wurde zum Natschalnik der Gruppe ernannt. |
| | | 😄
Wer hätte geahnt, wie viel ein Bahnhof in Bulgarien mit einer Bastelgruppe in der DDR zu tun hat. Danke Antje! |
|
|
|
Möchtest du dich wie viele andere persönlich und in Echtzeit austauschen? Dann komm doch auch in den Deja-vu Club! |
|
|
|
|
|
|
|
| | | | | | Im Podcast dreht sich diese Woche alles um Serbien, den jahrhundertelangen Kampf gegen die osmanische Bedrohung und schließlich den Fall Belgrads.
Für diesen Geschichtshappen möchte ich mich aber von einem anderen Ort bei dir melden. Aus dem etwas nördlich von Belgrad gelegenen Novi Sad. Ein Ort, der vielleicht gerade serbische Geschichte geschrieben hat ...
Schon auf der Postkarte fällt dir sicher auf:
Novi Sad ist nicht so ganz "serbisch", wie man es vielleicht erwarten würde. So kommt schon die Ortstafel in vier Sprachen daher: Serbisch, Ungarisch, Slowakisch und Ruthenisch.
Das hat damit zu tun, dass Novi Sad (auf Deutsch übrigens Neusatz) die Hauptstadt der Vojvodina ist. Das wiederum ist eine extrem multikulturelle Region des heutigen Serbiens.
Insgesamt leben in der Vojvodina – je nach Zählweise – bis zu 26 ethnische Gruppen und es gibt sechs anerkannte Amtsspachen: Serbisch, Ungarisch, Slowakisch, Rumänisch, Kroatisch und Ruthenisch (was – wenn auch etwas umstritten – eine Form des Ukrainischen ist).
Man sieht einer Stadt wie Novi Sad aber auch abseits der Ortstafel an, dass sie irgendwie anders ist als serbische Städte weiter südlich. |
| | | | | | Die Vojvodina war immerhin bis 1920 ein Teil Ungarns. Ähnlich wie das Banat in ihrem Osten war sie aber seit dem Rückzug der Osmanen im 18. Jahrhundert extrem vielfältig bevölkert.
Als Resultat der habsburgischen Ansiedlungspolitik in diese entvölkerte Grenzzone kamen in der Zeit die meisten der heutigen Minderheiten hierher. Eine davon – die Banater Schwaben – werde ich in einem kommenden Teil der Podcastserie "Die Narbe Europas" auch noch gesondert erwähnen.
Erst in derselben Zeit entstand übrigens auch die Stadt Novi Sad (was auch ihren Namen erklärt) gegenüber der älteren und viel wichtigeren Festung südlich der Donau – Petrovaradin. |
| | | | | | Warum ich mich aber heute aus Novi Sad melde, hat eigentlich gar nicht so viel mit der multikulturellen Vojvodina oder der Festung Petrovaradin zu tun. Die Stadt hat nämlich noch viel jüngere Geschichte geschrieben!
Vorletztes Wochenende ging in Serbien die Ära Vučić zu Ende.
Nach zwei Jahren der Proteste konnte die Studierendenbewegung tatsächlich eine Wahlliste zusammenstellen und in den serbischen Parlamentswahlen eine absolute Mehrheit gewinnen!
Und ohne Novi Sad wäre das wohl nie so gekommen. Wenn auch aus furchtbar tragischen Gründen.
Die Proteste begannen vor genau zwei Jahren genau hier, nachdem das gerade renovierte Bahnhofsvordach eingebrochen war und sechzehn Menschen unter sich begraben hatte.
Während meines Stopps in Novi Sad habe ich im Mai auch den Bahnhof besucht und dort dieses Video gemacht. Das Sticker mit der Aufschrift "Sieg" habe ich damals als sehr optimitisch angesehen ...
Ich war selten so froh, falsch gelegen zu haben. |
| | | |
|
|
NEUES BEI DEJA-VU UND ANDERSWO |
| | | Hör auch gerne noch in die dieswöchige Ausgabe des Deja-vu Podcasts rein. In Folge 3 von "Die Narbe Europas" geht es wie gesagt ins spätmittelalterliche Serbien! |
| | | |
|
|
Tschüss für dieses Mal und bis nächsten Freitag!
Dein Ralf |
| | | |
|
|
| | |
|
|
 |
|
|