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RHIZOM LETTER

024


TEXT MATTERS. MATTERS OF TEXT 2026. EIN BUCH IST EINE REIHE VON RÄUMEN

LIEBE FREUND:INNEN VON PRÄPOSITION,


Was ist ein Buch, wenn nicht das,

was von Hand zu Hand geht?


Dieser Satz steht am Beginn dieser dritten Ausgabe unseres Festivals zur Materialität der Sprache und ist, wie die meisten Sätze, die wir in Büchern finden können, ein Versprechen, keine Realität.


Doch was geschieht, wenn wir beginnen, das Buch nicht länger auf seine klassische, historische Form zu begrenzen, es nicht als ein unbelebtes Objekt zu begreifen, eine Welt gebannt in Schrift auf bloßem Papier?

Noch mögen wir es ansehen als einen Beutel, eine Schachtel, einen Container, ein Behältnis, in dem die Dinge, die uns umgeben, miteinander und mit uns in einem machtvollen Verhältnis stehen. Doch braucht nicht auch dieser Beutel Hände, die ihn schnüren, die ihn halten, die ihn beschützen und dann hervorholen zur richtigen Zeit? Sorgende Hände, Hände, die machen, dass seine Wörter und Bilder nicht herausfallen und übergangen werden?

Wer macht, dass sie ankommen bei jenen, die sie brauchen? Wer liest sie zu seinen Nächsten? Sind nicht auch deine Hände dieses Buch? Brauchst nicht auch du eine, die dich hält?


Alle Protagonist:innen dieses Festivals eint ihre Hinwendung zum Buch. Nicht als ein Sehnsuchtsort deutscher Kultur, sondern als das Medium einer mit sich selbst im Diskurs stehenden Gesellschaft. Für sie ist das Buch, so behaupten wir, längst mehr als seine Geschichte: eine soziale Plastik, eine Beziehungsweise, eine Reihe von Räumen.


Jeder der sechs Abende, die unser Programm beschreiben, geht dieser Behauptung in einem partizipativen Bühnengespräch nach; jedes Gespräch ein eigener Raum. Sie mögen, wenn wir es denn möchten, für einen kurzen Augenblick zum menschlichen Beweis werden, dass andere Worte immer möglich sind und Freundschaft unter Fremden niemals ausgeschlossen ist. So wir uns denn zu den Widersprüchen, die heute noch zwischen uns stehen, nicht als bloße Betrachter:innen verhalten, könnte sich mit ihnen einlösen, was wir hier nun versprochen haben: das Buch, die Gemeinschaft.


Man wird daraus einmal

alle Konsequenzen ziehen.

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NEUE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS

(OPENING)


Antke Antek Engel

Nora Haddada

Dagmar Herzog


Julie Kuhl

Rødhåd

Beste Hiera

Luzie

Frau Laura

Tiffany & Go

John Tonic

Dawit Asfaha


09.05.

20 Uhr


Tokonoma (FFM)


»Wie sollen wir noch Romane schreiben, etwas erfinden, irgendetwas ausdenken können, wenn ringsum Ungeheuerliches im Entstehen begriffen ist (…)«, schrieb Peter Weiss noch Jahre nach dem Ende jenes deutschen Faschismus, der, gebannt in Geschichtsbücher zum Unterrichtsstoff einer noch jungen Gesellschaft werden sollte. Wir glaubten, die richtigen Lehren gezogen haben. Und müssen heute doch einsehen: ein neuer Faschismus hat seinen Platz längst eingenommen.


Damit drängt eine vergessene Frage in unsere Mitte: Wie geht und wo beginnt Widerstand? Wie machen wir, dass es nicht nur die Erzählung von ihm gibt, dass er nicht bloß eine Absicht bleibt, eine Melancholie angesichts seiner möglichen Erfolglosigkeit, ein Versuch, ein Trugschluss? Was ist sein Medium? Der Straßenkampf, die Kunst, der Post, der vereinzelte Mensch? Was bleibt uns für eine Sprache, wenn wir die passenden Worte nicht mehr finden?


Antke Antek Engel (* 1963), Philosoph:in und Publizist:in sowie Leiter:in des Berliner Instituts für Queer Theory, arbeitet zu Sexualität und Begehren, Macht und Herrschaft und ästhetisch-diskursiven Strategien der Veruneindeutigung. Zuletzt erschien »Queer Theorie – Queer_Pädagogik« (2024).


Nora Haddada (* 1998), Schriftstellerin, arbeitet an den Bruchstellen der Sprache und ihrer Politik, zum deutschen Gehorsam und dem unüberhörbaren Schweigen, das ihm folgt. In »Blaue Romanze« (2025), ihrem zweiten Roman, stellt sie uns die Frage nach der richtigen Haltung zur Tragik der Gegenwart.


Dagmar Herzog (* 1961), Historikerin und Professorin an der City University of New York, forscht zu Sexual- und Geschlechtergeschichte, Nationalsozialismus und Holocaust, Disability und Care. In »Der neue faschistische Körper« (2025)  beschreibt sie den erotisch aufgeladenen Rassismus rechter Bewegungen.


Die Neue Ästhetik des Widerstands ist eine Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse und dem Tokonoma x Club Bizarre im Rahmen der Woche der Meinungsfreiheit. Das gesamte musikalische Programm und Tickets (Eintritt frei/gegen Spende) auf tokonoma.club.


Mit einer Soundscape von Fabian Saul und schriftkünstlerischen Projektionen von Marie Bauer.

UND HEIMATLOS SIND WIR DOCH ALLE

(SECOND OPENING)


Tomer Dotan-Dreyfus

Behzad Karim Khani


05.06.

19 Uhr


Klingspor Museum


Tomer Dotan-Dreyfus (* 1987), Autor, Lyriker und Übersetzer, schreibt in hebräischer und deutscher Sprache. In seinem Langessay »Keinheimisch« (2025) erzählt er von Trauma und Trauer in Gaza und Israel, vom Nationalstaat und seiner Ideologie sowie vom Recht auf und dem steten Versagen von Heimat.


Behzad Karim Khani (* 1977), Schriftsteller, Drehbuchautor, Kolumnist und Herausgeber der neu gegründeten Weltbühne, war bis 2022 Betreiber des Lugosi in Berlin-Kreuberg. Sein zweiter Roman »Als wir Schwäne waren« (2024) erzählt von der Diaspora als Heimat und der Freiheit im Fremdsein.

DU HAST LÄNGST KEINE MITTE MEHR


Monika Rinck

Astrid Seme


19.06.

19 Uhr


Monika Rinck (* 1969), Lyrikerin, Essayistin und Übersetzerin, lehrt als Professorin für Literarisches Schreiben an der Kunsthochschule für Medien Köln. In »Höllenfahrt & Entenstaat« (2024) bearbeitet sie die Belastungen unserer Welt im Lichte einer nicht bloß metaphorischen deutschen Raserei.


Astrid Seme (* 1985), Grafikdesignerin, leitet mit Thomas Geiger den Wiener Verlag Mark Pezinger Books, macht Künstler:innenbücher und forscht zur akustischen Dimension von Typografie. So entstanden hybride Arbeiten wie »Urbirds singing the Sonata« oder »A Book for all Readers«.

STÄTTEN DES DRUCKS


Esther Dischereit

Mara Züst


14.08.

19 Uhr


Esther Dischereit (* 1952), Autorin von Prosa, Lyrik, Essay, Theater- und Hörstücken, ist eine Chronistin der deutschen Gewaltgeschichte – das Attentat von Halle, die Verbrechen von Jena, die Konsequenzen der Shoa. Zuletzt erschien ihr Roman »Ein Haufen Dollarscheine« (2024).


Mara Züst (* 1976), Künstlerin, Kunstvermittlerin, Autorin und Forscherin, arbeitet »kreuz und que(e)r« etablierter disziplinärer Praktiken. Von »Kolkata – City of Print« (2019) bis zu den »Intimate Borders of Liminal Love« (2024) sucht sie nach neuen Formen des Wissens an den Enden der Welt.

MONSTRÖSE GEGENWART


Şeyda Kurt

Manuel Raeder


18.09.

19 Uhr


Şeyda Kurt (* 1992), Autorin und Journalistin, schrieb über »Radikale Zärtlichkeit« (2021) und »HASS« (2023) und arbeitete am Spotify Original Podcast »190220 – Ein Jahr nach Hanau«. Mit »Zeit der Monster« erscheint diesen Sommer ihr Debütroman über das Leben in Zeiten der Apokalypse.


Manuel Raeder (* 1977), Grafikdesigner und Verleger von BOM DIA BOA TARDE BOA NOITE, erforscht in multidisziplinären, teils künstlerischen Arbeiten die Bedeutung unterschiedlicher Schrifträume für die Konstruktion gesellschaftlicher Narrative. Dabei entstanden über 250 Künstler:innenbücher.

EIN ANDERES LEBEN IST MÖGLICH


Tia Morgen

Daniela Seel


09.10.

19 Uhr


Tia Morgen (* 1991), Autorin und Regisseurin, untersucht in ihren Texten, Hörspielen und auf Instagram die Ambivalenzen von Intimität, Begehren und Macht. Zuletzt erschien ihr Audio-Drama »NIXE« (2025). Ihr Debütroman »Was wir lieber für uns behalten« erscheint im kommenden Jahr.


Daniela Seel (* 1974), Lyrikerin und Übersetzerin, gründete 2003 mit dem Buchgestalter Andreas Töpfer den Verlag kookbooks, ein »Labor für Poesie als Lebensform«, und ist Mitgründerin des Schriftsteller:innenverbandes PEN Berlin. Zuletzt erschien ihr Langgedicht »Nach Eden« (2024).

PRÄPOSITION

Kuration und Moderation: Holm-Uwe Burgemann

Design: Daniel Zenker


Hochschule für Gestaltung Offenbach

Lehrgebiet Typografie/Type Design

Prof.’in Johanna Siebein,

Bruno Jacoby und Studierende


Klingspor Museum

Herrnstraße 80
63065 Offenbach


Ein Projekt im Rahmen der World Design Capital 2026

Herzlich

aus dem zu Unrecht unterschätzten Offenbach


Holm-Uwe Burgemann




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PRÄPOSITION wurde als literarischer Raum im Internet geboren und sucht heute nach einer multimedialen, anti-kapitalistischen Inszenierung von Text und Sprache. 


Man wird daraus einmal alle Konsequenzen ziehen.






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