Was ist ein Buch, wenn nicht das,
was von Hand zu Hand geht?
Dieser Satz steht am Beginn dieser dritten Ausgabe unseres Festivals zur Materialität der Sprache und ist, wie die meisten Sätze, die wir in Büchern finden können, ein Versprechen, keine Realität.
Doch was geschieht, wenn wir beginnen, das Buch nicht länger auf seine klassische, historische Form zu begrenzen, es nicht als ein unbelebtes Objekt zu begreifen, eine Welt gebannt in Schrift auf bloßem Papier?
Noch mögen wir es ansehen als einen Beutel, eine Schachtel, einen Container, ein Behältnis, in dem die Dinge, die uns umgeben, miteinander und mit uns in einem machtvollen Verhältnis stehen. Doch braucht nicht auch dieser Beutel Hände, die ihn schnüren, die ihn halten, die ihn beschützen und dann hervorholen zur richtigen Zeit? Sorgende Hände, Hände, die machen, dass seine Wörter und Bilder nicht herausfallen und übergangen werden?
Wer macht, dass sie ankommen bei jenen, die sie brauchen? Wer liest sie zu seinen Nächsten? Sind nicht auch deine Hände dieses Buch? Brauchst nicht auch du eine, die dich hält?
Alle Protagonist:innen dieses Festivals eint ihre Hinwendung zum Buch. Nicht als ein Sehnsuchtsort deutscher Kultur, sondern als das Medium einer mit sich selbst im Diskurs stehenden Gesellschaft. Für sie ist das Buch, so behaupten wir, längst mehr als seine Geschichte: eine soziale Plastik, eine Beziehungsweise, eine Reihe von Räumen.
Jeder der sechs Abende, die unser Programm beschreiben, geht dieser Behauptung in einem partizipativen Bühnengespräch nach; jedes Gespräch ein eigener Raum. Sie mögen, wenn wir es denn möchten, für einen kurzen Augenblick zum menschlichen Beweis werden, dass andere Worte immer möglich sind und Freundschaft unter Fremden niemals ausgeschlossen ist. So wir uns denn zu den Widersprüchen, die heute noch zwischen uns stehen, nicht als bloße Betrachter:innen verhalten, könnte sich mit ihnen einlösen, was wir hier nun versprochen haben: das Buch, die Gemeinschaft.
Man wird daraus einmal
alle Konsequenzen ziehen.